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Vorprojekt – Betreutes Wohnen und Pflege am Murhof
Projektstand:
Das Projekt wurde nach der Vorprojektsplanung abgebrochen. Die Gemeinde konnte nach der Coronakrise und der damit verbunden Teuerung der Baustoffe das Projekt leider nicht weiter finanzieren.
Die Gemeinde Pfaffnau wünschte sich ein neues Zuhause für Menschen mit Pflegebedarf. Dem einzigartigen Betriebskonzept des Murhofs entsprechend, überzeugte im Wettbewerb das Projekt Hostett mit einer spezifsch ländlichen Vision für das künftige Leben am Murhof.
Ein Gasthaus zur Klosterscheune für die lokale Gemeinschaft – und ein privates Wohnhaus, in der Hostett. Mit lokalen und nachhaltigen Materialien, soll ein Ort der Aneignung, der Pflege und des Zusammenlebens entstehen. Ein Betrieb, der seine Bewohner nicht zum letztmöglichen Zeitpunkt aufnimmt – sondern ein Ort, den die Menschen aufsuchen, als Ihr letztes Zuhause.
Ein Ort, der sich von den zeitgenössischen Pflegebetrieben unterscheidet.
Ein Ort, der den jüngeren eine würdige Aussicht auf das Leben im Alter verspricht.


Den Sockel überragend, zeigen die beiden Geschosse des Wohnhauses den natürlichen, leicht abfallenden Verlauf des Hügels. Östlich in der Wiese sitzend, erhebt sich der Bau aus Murhofer Stampflehm allmählich in die Baumkronen der Hostett. Anfang und Ende des langen Hauses sind mit den markanten Lehmwänden klar ablesbar.
In der Holzelementfassade werden die Zimmer als Doppelzimmer in 14 Elemente zusammengefasst.
Die Gliederung wird unterstützt durch die Teilung der ablesbaren Kerne. So wird eine feine, landschaftsverträgliche Einbettung im Rhytmus der Baumabstände erreicht. Das Haus sitzt – beinahe als Teil des Obstgartens – selbstverständlich in der Hostett.

« Ein alter, erwachsener Mensch will ernst genommen werden, nicht verwaltet »
Benedikt Loderer (Hochparterre Band 6/1996)
Beinahe über die gesamte Länge des Baus ebenerdig, ist die Wohnlaube privater Ort der Gemeinschaft derjenigen, die hier wohnen und arbeiten. Als Rückzugsort für das Leben im Alter wird sie von den Bewohnern wie von den Mitarbeitenden gleichsam angeignet. Da wird gejasst oder Kaffee getrunken, gelesen und beobachtet, flaniert oder im Rollstuhl hin und her gerollt.
Der Vorbereich des Zimmers in der Laube, ist die eigene Adresse der Bewohner im Haus. Die Nischen sind eine attraktive Erweiterung des Lebensraums zur Hostett und schaffen Nähe zum Aussenraum.

Die Bewohnerzimmer und der vorgelagerte Laubenraum ersetzen für die Menschen am Murhof in gewissem Sinne ihre ganze Wohnung. Die tragenden Stampflehmwände wirken im Sommer kühlend, binden Feuchtigkeit und sind positiv für Behaglichkeit im Haus. Ganzjahres sorgt der Stampflehm für ein angenehmes Raumklima, reguliert die Raumfeuchte, neutralisiert Gerüche und ermöglicht damit eine nachhaltige Reduktion der Gebäudetechnik.

In Analogie zum Dorfspaziergang, nimmt die Entfernung zwischen Wohnhaus und Gasthaus eine wichtige Rolle ein. Die Bewohner bewegen sich hin und her, für Abwechslung und Bewegung im Alltag und für das Pflegen unterschiedlicher sozialer Kontakte.

Als belebender Ort für die Region, wird das neue Gasthaus mit der Klosterscheune eine Mitte auf der Kanzel am Murhof bilden. In Anlehnung an den historischen Garten, bieten acht symmetrisch angelegte Gartenfelder Raum für einen Kräuter und Erlebnisgarten mit Düften und Gewächsen für Jung und Alt.


Mit dem à la Carte Restaurant im Gasthaus unterscheidet sich der Murhof von anderen Altersheimen. Es werden Speisen aus Demeter zertifizierter Küche serviert. Der Koch pflegt lokale Partnerschaften und unterstützt die Landwirte in der Region.


Ort: St. Urban (LU), Schweiz
Typ: öffentliche Infrastruktur, betreutes Wohnen und Pflege
Auftraggeber:
Gemeinde Pfaffnau - Gemeinnützige Aktiengesellschaft „Murhof AG“
Architektur:
ARGE Murhof
Atelier Toscano, Bern & Nopai Architekten, Zürich
Mitarbeit: Nicola Toscano, Lisa Mäder, Hubert Holewik, Dorota Ryzko (Visualisierungen)
Überarbeitung Wettbewerb: mit Luca Affolter
Wettbewerb: offener Wettbewerb 2020, 1. Rang
Vorprojekt: Januar - Juni 2022, Projektabbruch 2023
Anlagekosten: 32.9 Mio CHF
Team:
Landschaftsarchitektur: Maurus Schifferli & Martin Klauser, Landschaftsarchitekten HTL / BSLA
Bauingenieur: Seforb Sarl, Uster
Baumanagement: Schärli Architekten AG, Luzern
Gebäudetechnik HLKS: Häusler Ingenieure AG, Langenthal
Elektroplaner: Wey & Partner, Sursee
Lichtplanung: Llal AG, Zürich
Gastroplanung: Axet GmbH, Embrach
Bauphysik & Akustik: Wege Energy Consulting, Egliswil
Fachbegleitung Lehmbau: Felix Hilgert, Lehmag AG, Brunnen SZ
Hochparterre | August 2020 | «Historische Werte, moderne Aspekte »
Jurybericht | Juli 2020 | Bericht des Beurteilungsgremiums
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