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Projekt «In Koexistenz» – Das neue Berner Aarequartier

Städtebaulicher Ideenwettbewerb Gaswerkareal, Bern

Wie bauen wir gegenwärtig an der Stadt weiter?

Die Eigenarten der Stadt Bern und des ehemaligen Gaswerkareals, des Landschaftsraumes Aaretal und die damit verbundene topographische Raumabfolge Stadtebene-Hang-Flussebene bilden die grundlegenden Motive für einen mutigen Ansatz zur Entwicklung des neuen Quartiers.

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Die Gemeinden Pfaffnau und St. Urban suchen mit dem Neubau am Murhof ein neues Zuhause für 58 Bewohner. Das heute bestehende Zentrum Murhof wurde im Jahre 1962 erbaut und erfüllt die gegenwärtigen Ansprüche nicht mehr. Der Ort ist im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) aufgeführt und steht unter Schutz. Um die Scheune des Klosters St. Urban, soll an traumhafter Lage ein neuer, ansprechender Begegnungsort für jung und alt entstehen – mit Ausstrahlungscharakter für die gesamte Region.

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Das Wort Hostett / Hof-Statt, (ursprünglich «Stelle, worauf ein Haus nebst Garten steht») hat sich in der Schweiz mit örtlichen Gegebenheiten unterschiedlich entwickelt. In der Innerschweiz steht die Hostett für ein Heimwesen, ein kleines Gütchen.«Es eigis Hostedli, wi schöin!» schreibt der Schweizer Dichter Meinrad Lienert. Im Kanton Bern versteht man darunter die Hauswiese oder den Baumgarten. Der  Schweizer Volksschriftsteller Josef Reinhart, selbst auf einem Hof nahe Solothurn aufgewachsen, schrieb:

 

« Dann het der Alt meister öppis z’tüe g’ha,

sig’s im Garte a de Meie, sig’s i der Hostett amne Baum. »

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« Ein alter, erwachsener Mensch will ernst genommen werden, nicht verwaltet »

Benedikt Loderer (Hochparterre Band 6/1996)

Projekt Hostett - Skizze Bewohnerzimmer

 

Das privat anmutende Wohnhaus will dieses Versprechen halten. Es ist zur Aneignung der Mitarbeitenden und Bewohnenden gleichsam gedacht. Der Bau ist zweigeschossig und besitzt in jedem Flügel einen eigenen Ausgang in die Hostett, respektive den Garten. Man kennt sich hier.

Die Länge, entstehend durch die landschaftliche Setzung des Hauses wird zum grossen Potenzial für den Lebensraum der Bewohner. Anstelle des klösterlichen Kreuzganges wird die warme Laube zum zentralen Ort des Miteinanders. Anonym anmutende Erschliessungsgänge und volle Speisesäle werden vergeblich gesucht. In Analogie zum Dorfspaziergang nimmt die Entfernung zwischen Wohnhaus und Gästehaus eine wichtige Rolle ein. Einerseits für Abwechslung und Bewegung im Alltag, andererseits für die sozialen Kontakte der Bewohner.

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Der Neubau nimmt die örtlich bestehende Thematik und Körnung von Häusern an der Strasse und landschaftsprägenden Bauten auf. Das Terrain wird genutzt, um Aussenräume mit unterschiedlicher Funktion und Charakteristik zu schaffen. Auf dem Niveau der Klosterscheune schafft das öffentliche, zweigeschossige «Gasthaus» eine Adresse und steht im Dialog mit den umliegenden Bauten des Gehöfts. Es formt mit der für gemeinschaftliche Nutzungen aktivierten Klosterscheune eine neue Mitte für das Areal «Murhof». Ein Geschoss tiefer, der Klosterscheune zu Füssen liegend, steht das Wohnhaus für die Bewohner zwischen bestehender und neu aufgeforsteter Hostett.

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46°56'17.6"N 7°26'33.0"E

Ort: Gaswerkareal Stadt Bern, Schweiz

Typ: offener städtebaulicher Ideenwettbewerb

Auftraggeber:

Fonds für Boden- und Wohnbaupolitik der Stadt Bern,

Immobilien Stadt Bern

 

Wettbewerb: offener Wettbewerb 2021, 2. Rundgang

Mitarbeit: Nicola Toscano, Luca Affolter, Sandro Jenzer, Imogen Macpherson, Luana Stadtmann, Sarah Simon, Lorea Schönenberger

In Diskurs mit: Christoph Schläppi, Martin Sturm & Simon Spring

Zeithorizont: 2021

Medienmitteilung Stadt Bern | November 2021 |

 

 

 

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